HypnoKey März 2013 – Erwartungen & Partnerschaft

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Ist es nicht so, dass wir alle Erwartungen haben? Erwartungen an uns selbst, an unseren Partner, an unsere Familie, an unsere Kinder, an unsere Freunde, Kollegen, Nachbarn und vor allem an das Leben selbst?

Und fühlen wir uns nicht oftmals „genötigt“, Erwartungen von anderen zu erfüllen? Dass es sich dabei nicht selten lediglich um vermeintliche Erwartungen handelt, die in unserem eigenen Kopf entstehen und die gar nicht real sind, spielt für unser Gefühlsleben keine Rolle. Unser Unterbewusstsein unterscheidet nicht zwischen Wahrheit und Vorstellung, richtig oder falsch. Es nimmt ein Gefühl wahr und erzeugt die entsprechende Emotion.

„Das größte Hindernis des Lebens ist die Erwartung, die vom Morgen abhängt.“

(Seneca, Vom glückseligen Leben) 

Dieses „Morgen“ von Seneca ist für mich alles, was ausserhalb von uns, also ausserhalb unserer „Angelegenheit“ stattfindet und sich somit ausserhalb unseres Einflusses befindet. Wenn sich dieses „Aussen“ also anders verhält, als wir es erwarten, sind Enttäuschungen vorprogrammiert.

Warum haben wir Erwartungen?

Weil wir uns etwas erhoffen, das NICHT IST. Wir wünschen uns etwas, weil wir in diesem Bereich einen Mangel verspüren und uns eine Verbesserung erhoffen, oder eben erwarten. Wir können uns jedoch noch lange „Fülle“ wünschen, wenn wir Mangel in uns fühlen – wir werden diese Fülle nicht erhalten, weil der Mangel der „treibende“ Gedanke meines Wunsches ist. Und wir erhalten, was wir wirklich denken – hier also noch ein bisschen mehr vom Mangel. Fülle werden wir erst erhalten, wenn wir Fülle in uns fühlen können.

„Etwas zu erwarten, drängt dieses Etwas von dir weg.“

(Neale D. Walsch)

Ganz anders verhält es sich mit der Erwartung in Form von Zuversicht und absolutem Vertrauen; das ist die Gewissheit und das Fühlen, dass etwas Bestimmtes in Zukunft eintritt. Dieses Fühlen und diese Gewissheit sind für unser Unterbewusstsein bereits Realität. Nur etwas, das also potenziell bereits vorhanden ist, kann sich auch manifestieren. So lautet ein Schöpfungsprinzip.

„Ich weiss, dass es da ist, so kann es werden.“

Diese Art von zuversichtlicher Erwartung, im Vertrauen, dass etwas eintreten wird, fühlt sich komplett anders an, als die Erwartungen, die wir gewöhnlich in uns spüren, die nämlich meist einem Mangeldenken entspringt.

Erwartungen und Projektionen in der Partnerschaft:

Es ist sehr hilfreich, wenn wir uns klar darüber werden, dass alles, was wir von anderen erwarten – und natürlich ganz besonders, was wir von unserem Partner erwarten, – immer eine Projektion von uns selbst ist – ausnahmslos! Wir projizieren unbewusst Anteile von uns auf den Partner, weil wir nicht in der Lage sind, diese an uns zu erkennen. Der Partner fungiert dann als WERTVOLLER Spiegel. Wenn uns nicht gefällt, was wir dort sehen, müssen wir das an uns selbst herrichten, es nützt nichts, wenn wir am Spiegel herum rubbeln, der Spiegel kann nur zeigen, was vor ihm steht. Und das sind wir selbst. Wollen wir, dass es uns gut geht, müssen wir diese Projektionen wieder zurück nehmen und dort bearbeiten, wo sie ihren Ursprung haben, es also bei uns selbst wieder zurecht rücken.

Gerade am Anfang einer Partnerschaft sind viele versucht, sich von dem, was sie sind, zu entfernen. Sie verändern unbewusst ihr Verhalten, indem sie sich nach dem Partner ausrichten und seine vermeintlichen Erwartungen zu erfüllen versuchen. Sie tun also Dinge so, wie sie meinen, dass es der Partnerschaft förderlich ist. Mit anderen Worten, man verhält sich anderes, als man sich verhielte, wenn man alleine wäre. Auf diese Weise bringt man sich in den Selbstverzicht und erwartet das vom Partner ebenso. Das geht natürlich nicht gut, denn wenn wir uns unserem Partner zuliebe zurückstellen, bedeutet dies ein Verlust der eigenen Integrität und Authentizität.

Um unsere eigene Wahrheit wieder in uns zu finden, können wir das, was uns der Partner spiegelt, wieder zu uns zurück nehmen und dort bearbeiten. Ich will das an einem kleinen Beispiel erläutern. Denn nur, wenn es uns gelingt, Frieden und Harmonie in uns selbst zu finden, werden wir das auch im Aussen erfahren. Das Aussen ist IMMER ein Spiegel unseres Inneren.

Hier nun ein kleines Beispiel, wie wir unsere negativen Gedanken auf ihre Wahrheit untersuchen und so Frieden in uns selbst finden können (nach der Methode „The Work“ of Byron Katie).

Beispiel – Ich habe folgende Anforderung oder Erwartung an meinen Partner:

„Mein Partner sollte mir besser zuhören!“

Es stellen sich hier folgende Fragen:

Ist das wahr? Mein Partner sollte mir besser zuhören?

Möglicherweise lautet meine Antwort: Ja

Nun, kann ich mir absolut sicher sein, dass mir mein Partner besser zuhören sollte?

Vielleicht lautet meine ehrliche, aus innerer Überzeugung heraus lautende Antwort wieder: Ja

Wenn ich also meinem Gedanken glaube, dass mir mein Partner besser zuhören sollte und er tut es nicht, wie geht es mir dann? Wie fühle ich mich dabei, wie reagiere ich?

Wahrscheinlich fühle ich mich nicht gut, ich bin traurig, verletzt oder wütend. Vielleicht fühle ich auch eine Ohnmacht in mir.

Und wie behandle ich dabei meinen Partner (in Gedanken, verbal, mit Taten)?

Möglicherweise bin ich auf ihn wütend. Vielleicht schreie ich ihn an oder strafe ihn mit Missachtung? Jedenfalls werde ich ihn nicht gut behandeln, wenn ich meinem Gedanken, mein Partner sollte mir besser zuhören, Glauben schenke.

Und in welcher Angelegenheit befinde ich mich, wenn ich von meinem Partner möchte, dass er mir besser zuhört?

Es ist doch die Angelegenheit meines Partners, seine Entscheidung, ob er mir zuhört oder eben nicht. Er tut, was er eben tut. Wenn ich mich mit meinem Wunsch in seiner Angelegenheit befinde, dann bin ich machtlos – und ich kann mich in dieser Zeit nicht um meine eigenen Angelegenheiten kümmern, was in jedem Fall viel sinnvoller wäre.

Okay, jetzt gehen wir für einen kurzen Moment davon aus, dass es diesen Gedanken für uns gar nicht gibt, dass uns unserer Partner besser zuhören sollte. Wie geht es uns denn ohne diesen Gedanken?

Wenn wir diesen Gedanken für einen Moment weglassen können, fühlen wir uns in diesem Augenblick in der Regel gleich viel besser. Wir fühlen uns freier und selbstbestimmter.

Und nun kommen wir zu den sogenannten Umkehrungen – sie ermöglichen es dem Verstand, auch andere Wahrheiten zu erkennen, als der ursprünglich gedachten Wahrheit, nämlich dass mir mein Partner besser zuhören sollte.

Die erste Umkehrung ist die Umkehrung ins Gegenteil, also:

„Mein Partner sollte mir NICHT besser zuhören!“

Warum kann diese Aussage auch wahr, oder vielleicht wahrer sein, als die ursprüngliche? Hier gilt es nun drei echte Beispiele dafür zu finden, warum diese Aussage auch wahr sein kann.

Vielleicht lerne ich dadurch zu akzeptieren, dass andere Menschen sein dürfen, wie sie eben sind.

Vielleicht bekomme ich so die Gelegenheit, mich selbst auf Wesentliches zu konzentrieren?

Vielleicht sehe ich auch ein, dass es gar nicht so wichtig ist, dass ER mir zuhört…

Die zweite Umkehrung ist die Umkehrung zum Anderen, also:

„Ich sollte meinem Partner besser zuhören!“

Welche drei wahren, konkreten Beispiele finde ich für diese Aussage?

Ganz ehrlich: Jeder findet hier mindestens drei Gegebenheiten, bei denen er seinem Partner oder auch anderen Menschen nicht gut zugehört hat! 😉

Die dritte, und für mich meist die wahreste Umkehrung, ist die Umkehrung zu mir selbst:

„Ich sollte mir besser zuhören!“

Wie oft habe ich denn nicht auf mich selbst gehört, meiner inneren Stimme gelauscht. Wie oft habe ich JA gesagt und NEIN gemeint? Wie oft habe ich der Meinung anderer mehr Gewicht gegeben und meine eigene Stimme verstummen lassen?

Und?

Ist es immer noch der Partner, der mir besser zuhören sollte, oder spiegelt er mir im Grunde genommen eine ganz andere Wahrheit? Eine Wahrheit, an der ich selbstverantwortlich arbeiten kann und die mich zu mir selbst führt.

Ganz wichtig zu verstehen ist, dass jeder immer nur in seiner eigenen Angelegenheit Veränderungen vornehmen kann. Alles, was wir beim Anderen kritisieren, spiegelt uns lediglich unsere eigenen Anteile wider, die wir nicht sehen können oder nicht sehen wollen. Doch wollen wir frei, in Harmonie und selbstbestimmt leben, dann lohnt es sich, bei uns selbst hinzusehen. 🙂

Erkenntnisreiche Grüsse

 

Eure Petra Kuhn

Auf einen Kommentar in meinem Blog freue ich mich natürlich immer! 🙂

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Hilfreiche Methoden und Vorgehensweisen: Begrenzungen und Blockaden lösen mit Hypnose-Coaching, Hypnose-Therapie, Selbsthypnose, The Work of Byron Katie um stressvolle Gedanken zu hinterfragen, EFT um ein emotionales Gleichgewicht zu erlagen, Ho’oponopono zur Konfliktlösung.

 

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