Sei doch ein bisschen ehrlich egoistischer!

 in Newsletter

Ja, du hast richtig gelesen, heute fordere ich dich auf, ein bisschen egoistischer zu werden! Und ja, ich weiss sehr wohl, dass den meisten von uns jahrzehntelang eingetrichtert wurde, ja nicht egoistisch zu sein und das Wohl der anderen immer in den Vordergrund zu stellen, den Erwartungen anderer zu genügen. Mir ging’s da nicht anders. Und ich habe das auch jahrelang mehr oder minder ‚erfolgreich‘ praktiziert…

Nun eine Frage: „Welcher Mensch ist der wichtigste in deinem Leben?“

Gut – nun eine andere Frage: „Welcher Mensch ist von Geburt an (genau genommen bereits davor) bis zu deinem Tod an deiner Seite?“

Richtig: „Da gibt es nur einen einzigen Menschen und das bist du selbst! Es gibt keinen anderen – keinen einzigen, der dir diesbezüglich das Wasser reichen könnte!“

Hast du dich schon mal nach den Gründen gefragt, warum genau dieser Mensch, der dir immer zur Seite steht, so oft hinten anstehen muss? Warum du den Wünschen und Bedürfnissen anderer Menschen so häufig mehr Gewicht einräumst, als deinen eigenen? Würdest du deinen besten Freund, deine beste Freundin so oft enttäuschen und vernachlässigen, wie dich selbst?

Ja, Erziehung, Prägungen, Erfahrungen, der Druck von aussen sind da gewiss berechtigte Antworten. Andere haben uns gesagt, wir sollen keine Egoisten sein. Und wir wollen schliesslich, dass die anderen uns mögen, uns akzeptieren und uns wertschätzen. Also tun wir, was sie von uns erwarten – selbst, wenn wir dabei unsere eigenen Erwartungen nicht erfüllen, teilweise sogar sträflich vernachlässigen.

Der Wunsch nach Anerkennung, Akzeptanz, Zugehörigkeit – all das hat seinen Preis. Der Preis ist, dass wir abhängig sind von der Meinung anderer, dass wir nicht unser Leben leben, sondern das, welches uns andere als richtig verkaufen. Wir verlernen, die Verantwortung für uns selbst zu übernehmen und versuchen diese Verantwortung unseren Mitmenschen aufzubürden. Wenn wir schon so oft zurückstecken und uns so sehr bemühen, anderen zu gefallen und deren Vorgaben und Erwartungen zu erfüllen, möchten wir wenigstens ein bisschen Lob und Anerkennung dafür erhalten! Bleibt uns das verwehrt, sind die anderen für unsere schlechten Gefühle verantwortlich. Wir finden tausende von Ausreden, warum wir uns in diese Abhängigkeit begeben, denn schliesslich leben wir in einer Gemeinschaft und wo kämen wir denn hin, wenn alle Menschen Egoisten wären?

 Die Antwort lautet: „Wenn sich jeder mehr um sich selbst kümmerte als um die anderen, selbst die Verantwortung für das eigene Wohlbefinden übernähme und diese Verantwortung nicht abzuschieben versuchte, dann gäbe es mehr glückliche und zufriedene Menschen auf unserem blauen Planeten!“ Die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen bedeutet Freiheit, Selbstbestimmtheit und führt zu Selbstvertrauen und Selbstakzeptanz, innerem Frieden und Harmonie. Wir können dann endlich herausfinden, wer wir wirklich sind und nicht nur, was man aus uns gemacht hat. Wenn wir das ehrlich (das ist auch für mich immer und immer wieder eine echte Herausforderung) leben können, dann werden wir auch viel offener für die Anliegen anderer. Wir lassen plötzlich Sichtweisen zu, die wir davor gar nicht gesehen haben.

Warum? Wenn wir wirklich uns selbst sind und dazu stehen, dann droht uns keine „Gefahr“ mehr von aussen. Wir müssen uns nicht länger rechtfertigen oder verteidigen, weil es nichts mehr zu verteidigen gibt. Wir müssen keine Fassade aufrecht halten und den Erwartungen anderer genügen – was ohnehin immer auch ein Versagen impliziert. Wir brauchen einfach nur uns selbst zu sein. Und wenn wir uns selbst in dieser Weise akzeptieren können, fällt es uns erstaunlich leicht, die anderen ebenfalls so zu akzeptieren wie sie sind und ehrliche Zugeständnisse zu machen, was nichts mit faulen Kompromissen gemein hat. Das führt zu viel mehr Verständnis und Harmonie untereinander. Und nein – unser Gegenüber muss dazu nichts beitragen. Wir müssen dieses Verständnis und diese Harmonie in uns selbst finden. Das ist die Lösung. Sie liegt in uns selbst – und nur dort!

Wenn ich beispielsweise wieder einmal meine Krallen ausfahren, dann weiss ich, dass ich es einmal mehr irgendwo verpasst habe, wirklich ich selbst zu sein, wirklich ehrlich mir gegenüber zu sein. Dann fühle ich mich genötigt, mein Selbst zu verteidigen und rüste mich mit meinen Krallen zum Angriff. Das führt naturgemäss zum Gegenangriff und verhärteten Fronten. Wer kennt das nicht: Schuldzuweisungen, Kränkungen, Verzweiflung, Wut, sich nicht verstanden fühlen etc. Das ist alles ein Resultat davon, wenn man sich eben selbst zu wenig Verständnis entgegen bringt, sich selbst nicht den Wert einräumt, der einem gebührt. Dann wollen wir, dass es wenigstens unser Gegenüber für uns übernimmt, doch dieser Aufgabe ist niemand gewachsen ausser uns selbst!

Mein eigenes Warnzeichen ist es also, wenn ich bemerke, wie ich meine Krallen ausfahre. Spätestens dann wird es Zeit, wieder einmal ein bisschen ehrlicher zu mir selbst (und meiner Umgebung) zu sein. Diese Selbstreflektion und Selbstverantwortung lohnen sich, denn ich möchte niemals sagen müssen: „Ich habe zwar gelebt, aber mein Leben war es nicht.“

Kennst du deine Warnzeichen? Lebst du dein Leben oder wirst du gelebt? Was sind deine Erfahrungen oder wo siehst du Schwierigkeiten, beziehungsweise Chancen für dich selbst? Lass uns hier doch an deinen Erfahrungen teilhaben.

Selbstbestimmte Grüsse 

Eure Petra Kuhn

_________________________________________________________________

Hilfreiche Methoden und Vorgehensweisen: Begrenzungen und Blockaden lösen mit Hypnose-Coaching, Hypnose-Therapie, Selbsthypnose, The Work of Byron Katie um stressvolle Gedanken zu hinterfragen, EFT um ein emotionales Gleichgewicht zu erlagen, Ho’oponopono zur Konfliktlösung.

weitere Beiträge
6 Kommentare
  • Urs
    Antworten

    Du sprichst mir aus der Seele…

  • Christina
    Antworten

    Liebe Petra

    Ja, da hast Du ein grosses Thema angesprochen. Seit Jahren bin ich dabei, mehr zu mir selber zu stehen. Ich nenne es für mich “die Dinge ansprechen bevor ich ausflippe.” Da ich zwar ein sanfter liebevoller Mensch bin von meinem Grundwesen her, habe ich oft Dinge heruntergeschluckt aus “Toleranz und Rücksicht.” Oft hat sich das dann über die Jahre hinweg 2gesammelt, in meiner Gefühlswelt gespeichert” und irgendwann brach es dann mit Gewalt aus mir heraus. Das war dann für die anderen sehr verletzend da jedes Wort den “Nagel auf den Kopf” getroffen hat. Ausserdem ist mein Temperament nicht ohne. Letzte Woche habe ich eine sehr gute Erfahrung gemacht. Ich lernte einen Mann kennen, wir hatten sofort einen guten Draht miteinander. Ich schloss die Möglichkeit nicht aus, mich auf ihn einzulassen. Er bot mir an, mein Liebhaber zu sein. Ich war von seiner Direktheit etwas überrumpelt. Ich sagte ihm, dass ich mit einem Mann auch gerne einmal etwas unternehmen möchte. Er meinte, dass er keine feste Beziehung wolle. Ich sagte ihm, dass ich ihn zuerst besser kennenlernen möchte. Zuhause spürte ich hinein und es fühlte sich nicht gut und nicht richtig an. Eine rein sexuelle Beziehung kann ich nicht haben. Da würde ich irgendwann leiden, wenn das menschliche fehlt. Als wir uns wiedertrafen sagte ich ihm ganz ruhig:”Ich habe in Deinen Vorschlag hineingespürt. du warst ganz ehrlich, offen und hast gesagt, was Du willst und was Du nicht willst. Ich finde es gut, dass Du zu Dir selber stehst. Aber für mich fühlt es sich nicht gut an und ich möchte ees lieber sein lassen. Er hatte gut zugehört, genickt und mich dann zu einem Kaffee eingeladen. Für mich war das eine sehr gute Erfahrung da wir beide nicht verletzt waren und das ganz ruhig und liebevoll lösen konnten.

    Viele Grüsse Christina

    • petra
      Antworten

      Liebe Christina

      Herzlichen Dank für deine wundervolle Antwort!

      Dein Beispiel verdeutlicht prima, was ich ausdrücken wollte.
      Wenn man es schafft, wirklich in sich hinein zu spüren und das dann auch in aller Ruhe und Freundlichkeit ehrlich kommuniziert, gibt es auf beiden Seiten keine Verletzungen, sondern Offenheit und Verständnis. Das schafft man aber nur, wenn man wirklich ehrlich zu sich selbst ist und dazu steht!

      Ganz liebe Grüsse
      Petra

  • Nürten Halavart
    Antworten

    Hallo Petra.

    Schön von Dir zu hören. Ich hoffe Dir geht es gut. Ich bin schon im Urlaubsfieber, fliege am Samstag für 2 Wochen in die Türkei.

    Du hast vollkommen recht, ich lebe und richte mein Leben immer nach den Anderen, mit der Hoffnung, dass “Niemand” enttäuscht wird, keine Konflikte entstehen und dass meine Mitmenschen mich schätzen, respektieren und lieben. Mein Leben und meine Bedürfnisse bleiben auf der Strecke. Ich will nicht mehr eine Rolle spielen, die Andere gerne hätten! Das macht mich innerlich wirklich wütend….

    Liebe Grüsse,
    Nürten

  • Daniel
    Antworten

    Könntest du das bitte meiner Frau sagen? Ich versuche mich grade von ihr scheiden zu lassen, nachdem wir 12 Jahre getrennt lebten und ich sie regelmässig aufforderte, ihre Selbständigkeit zu erhöhen und mehr eigenes Geld zu verdienen. Und sie sperrt sich heute noch dagegen. Jetzt habe ich langsam die Nase voll davon, aber dadurch, dass sie weiterhin mein Geld beansprucht, bin ich in meiner eigenen Entwicklung blockiert. Ich möchte ja gerne egoistischer sein, aber die Gesetzeslage steht mir im Weg. Grummel.

    • petra
      Antworten

      Hallo Daniel

      Natürlich kann ich nachvollziehen, dass dich die Situation mit deiner Frau ärgert.

      Und dennoch frage ich dich: “Kannst du dir absolut sicher sein, dass es die Ansprüche deiner Frau sind, die dich in deiner eigenen Entwicklung blockieren?”

      Wenn du deiner Frau diese Macht über dich und deine Entwicklung gibst, dann machst du dich abhängig von ihrem Tun und gibst ihr die Verantwortung für dein (Un)wohlbefinden ab. Doch für dein Wohlbefinden bist immer nur du (und dein Denken) verantwortlich – egal, welche äusseren Bedingungen herrschen.

      Niemand kann dich blockieren ausser du dich selbst! Deine Denkweise über diese Sache blockiert dich – nicht das, was ist. Und du alleine hast die Möglichkeit, deine Sichtweise zu ändern, an der Situation zu wachsen und Lösungen zu finden. Deine Frau gibt dir lediglich die Möglichkeit dazu 😉

      Solange du dich um ihre Angelegenheiten kümmerst (sie sollte selbständiger werden und mehr verdienen, sie sollte dich nicht abzocken, etc.), kümmerst du dich nicht um deine eigenen Angelegenheiten und blockierst dich damit selbst.

      “Egoistischer” zu sein, wie ich es meine, bedeutet: “Was kannst du genau jetzt für dich tun, bzw. denken, damit es dir (auch in dieser Situation) besser geht?” Finde das heraus und TU es! Beharrlich und diszipliniert! Wenn du das schaffst, entwickelst du dich gewaltig weiter! Und wer weiss, vielleicht ist genau deine Frau deine grosse Chance, dich in Siebenmeilenstiefeln weiter zu entwickeln!

      Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben. (Epiktet)

      Ich drücke dir die Daumen und grüsse dich herzlich
      Petra

Ein Kommentar hinterlassen