HypnoKey Juni 2012 – Verstand & Igelfisch

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Liebe Leser, liebe Leserinnen

Mit dem Verstand ist es so eine Sache. Er produziert am laufenden Band Gedanken und ist in seinem Ego gekränkt, wenn wir denen nicht immer glauben.

Alles, was er im Verlaufe seines Lebens einmal gelernt, erfahren und sich in eifriger Geschäftigkeit  zusammengereimt hat, will er uns dauernd als ultimative Wahrheit auftischen. Er beurteilt und verurteilt unaufhörlich und will seine Macht über uns nicht aus der Hand geben. Offenbar glaubt er zu WISSEN, was die Wahrheit ist… zumindest will er uns davon überzeugen.

Doch wenn wir uns einmal bewusst machen, was uns alles WIRKLICH ausmacht, dann wird schnell klar, dass der Verstand ein Winzling ist.

Wir sind der Ozean, unser Verstand ist der kleine Igelfisch im grossen Teich. Und wenn wir die Weisheit unseres Verstandes anzweifeln, dann plustert er sich auf und zeigt uns seine Stacheln. Er ist wie ein kleines Kind, das sich im Supermarkt schreiend auf den Boden wirft, wenn sein Wille missachtet und ihm der Lolli versagt wird. Ideenreichtum kann man ihm wirklich nicht absprechen. Unser Verstand will einfach immer Recht behalten und dafür greift er auch mal tief in seine Trickkiste.

Gute, befreiende Gedanken sind ein Geschenk. Glauben wir hingegen unseren stressvollen Gedanken, dann überlassen wir dem Denken das Steuer über unsere Gefühle – willenlos gefangen in der Fabrik Verstand. Doch stellen wir uns nur für einen Augenblick vor, dass wir die negativen Gedanken nicht denken könnten, dann verändern sich sofort auch unsere Gefühle.

Irgendwie irre, nicht? Und dass es tatsächlich so ist, habe ich nicht nur selbst erfahren, sondern auch viele meiner Klienten.

Wie wäre es also, wenn wir den Spiess einfach mal umdrehen und uns nicht dauernd von diesem süssen Winzling einlullen lassen, der so sehr auf sein Ego bedacht ist und sich seine Weisheit hauptsächlich aus den Wertvorstellungen und Erfahrungen anderer Menschen  zusammengereimt hat: Von unsere Eltern, deren Eltern, Lehrern, Freunden, Kollegen, der Gesellschaft, um nur einige zu nennen.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir uns endlich einmal selbst erfahren? Erfahren, wer wir WIRKLICH sind. Dass wir lernen zu FÜHLEN und nicht vermeintliches Wissen leben, das uns im Verlauf unseres Lebens eingepflanzt wurde.

Mir gelingt das, indem ich Menschen und Situationen einfach so annehme, wie sie sind, möglichst ohne sie zu bewerten oder gar zu verurteilen. Dies gilt auch für Dinge, die mir – zumindest vermeintlich – nicht zusagen. Ich nehme sie in ihrer Gesamtheit an, ohne etwas daran verändern zu wollen und schaue, wie sich das anfühlt. Einfach neugierig wie ein Kind, das staundend die Welt entdeckt. Das ist echt spannend. Auf diese Weise lerne ich mich immer besser selbst kennen; erfahre, wer ich wirklich bin und das unterscheidet sich oft von dem Menschen, zu dem ich mich über Jahrzehnte meines Lebens machen liess.

Zugegeben: Ich stehe noch am Anfang dieses wertefreien Annehmens und des einfach nur in mich hinein Fühlens. Ich schaue jeweils einfach, was macht das mit mir und erfahre mich dabei selbst immer ein bisschen mehr. Das Bedürfnis, gewisse Dinge oder Menschen verändern zu wollen, lässt spürbar nach.

Das wiederum gibt mir sehr viel neuen Handlungsspielraum.

So viele Dinge, die ich einmal zu wissen glaubte, sind einfach weg und es macht riesigen Spass, mich neu –  oder endlich –  zu entdecken und nicht zu wissen, was dabei herauskommt. 🙂

In vielen Bereichen meines Lebens kann ich nun Albert Einsteins Aussage tief in mir wirklich spüren: „Je mehr ich weiss, desto mehr erkenne ich, dass ich nichts weiss.“

Und genau das macht frei! Frei, einfach zu SEIN.

Herzlichst

Ihre Petra Kuhn

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